Gesundheitslegenden

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Einmal nur mit dem eigenen Hund sprechen können, erfahren, was sich wünscht und was er von uns hält! Am Heiligenabend um Mitternacht soll es möglich sein. Dann nämlich sollen alle Tiere genau eine Stunde lang der menschlichen Sprache mächtig sein. Doch leider, leider weiß jedes Kind, dass das nur eine Legende ist.

Andere Legenden werden dagegen nicht sofort als Mädchen erkannt. So hört man immer noch, dass eine Rassehündin, die einmal Mischlinge geboren hat, für die Zucht nicht mehr tauglich ist. Das ist Unsinn. Denn Hündinnen können im Gegensatz zu anderen Tieren Spermien, also dass Erbmaterial des Vatertieres, nicht über Monate speichern. Wenn das Tier bei der nächsten Brunst von einem Rasserüden gedeckt wird, kommen auch reinrassigen selten zur Welt. Außer die Hündin ist zur gleichen Zeit mit dem netten Rüden von nebenan fremdgegangen, dann kann es Vaterschaftsprobleme geben.

 

Auch dass ein Stück Käse dem Geruchssinn des Hundes schadet, erweist sich als Quark. Intensive Gerüche können tatsächlich für eine kleine Weile andere Düfte überdecken. Doch einen langfristigen Schaden des Geruchssinns hat noch kein Hund vom Genuss eines Stückchen Käses davongetragen.

 

Besonders viele Märchen ranken sich rund ums Fleisch. So soll rohes Fleisch den Hund scharf machen oder zum Wildern animieren. Beides ist falsch. Jagdtrieb und Angriffsbereitschaft des Hundes haben nichts damit zu tun, ob er gegartes oder rohes Fleisch zu essen bekommt. Allenfalls, wenn er zu wenig oder mangelhaftes Futter erhält, hat das Auswirkungen auf sein Verhalten: denn Hunger macht bekanntlich reizbar.

Eine andere Legende besagt, dass Hunde nur durch die Fütterung mit rohem Fleisch abgerechnet werden. Artgerecht? In der Natur verschlingen Wölfe und Wildhunde nicht nur schieres Muskelfleisch, sondern das ganze Beutetier mit Haut und Haar, Blut und Innereien sowie dem Inhalt von Magen und Darm. Wer seinen Hund wirklich nach dem Vorbild der Natur ernähren wollte, müsste ihm am Tag ein ganzes Beutetier zur Verfügung stellen - das aber ist - Gott sei Dank - durch das Tierschutzgesetz verboten.

Rohes Fleisch an sich ist aber auch nicht schädlich. Fleisch, gleichgültig ob roh oder gekocht, ist nur kein Alleinfuttermittel und muss mit pflanzlicher Kost und Mineralstoffen aufgewertet werden. Rohes Schweinefleisch darf nicht gegeben werden, denn es kann bei Hund und Katze die gefährliche Aujeszkysche Krankheit verursachen. Außerdem können sich im rohen Fleisch die verschiedensten Krankheitserreger befinden. Zwar sind die Mägen von Fleischfressern auf die Bekämpfung der meisten Keime besser eingerichtet als die unseren, aber ein Restrisiko bleibt.

 

Ein anderer Mythos, der sich auf das Leben der Wölfe bezieht, ist die Saga von der Darmreinigung durch einen wöchentlichen Fastentag. Die Verfechter dieser Theorie argumentieren, dass Wölfe nicht täglich etwas zu essen bekommen. Das stimmt – doch Wölfe fasten nicht, weil es so gesund ist, sondern weil sie schlicht keine Beute gemacht haben. Ein fastenlassen des Hundes bringt ihm gesundheitlich nichts. Im Gegenteil, sehr kleine Hunde oder Hunde, die ein erhöhtes Risiko für Magendrehungen haben, vertragen sogar zwei oder mehr Mahlzeiten besser als eine große Ration.

 

In den letzten Jahren sind Proteine in Verruf gekommen. Diese wichtigen Nahrungsbestandteile sollen für alle möglichen Krankheiten verantwortlich sein. Doch meist wird andersrum ein Schuh daraus. Nicht das Protein verursacht die Erkrankungen, sondern bestimmte Krankheiten stören den Proteinstoffwechsel. In diesen Fällen, also bei Hunden die z.B. unter Nieren- oder Leberschäden leiden, muss die Eiweißzufuhr tatsachlich reduziert werden. Ein gesunder Hund hingegen, kann so viele Proteine zu sich nehmen, wie er will.

 

Vampire lassen sich vielleicht von einer Knoblauchfahne abschrecken – andere Blutsauger tun dies nicht. Flöhe oder Zecken, ja, auch Stechmücken, zeigen sich nur wenig beeindruckt vom Knoblauchgeruch. Knoblauch kann dem Hund sogar schaden – in großen Mengen verursacht er Blutarmut. Das gilt übrigens auch für Zwiebeln, denen fälschlicherweise eine entwurmende Wirkung zugeschrieben wird. Auch B-Vitamine, z.B. in Form von Bierhefe, helfen kein bisschen gegen Parasitenbefall, aber zumindest schaden sie nicht.

Der Extrakt aus Chrysanthemen hingegen hat tatsächlich eine Flöhe- und Zecken abschreckende Wirkung. Denn er enthält Pyrethrum, einen pflanzlichen Wirkstoff, der die kleinen Blutsauger abstößt. Als Antiparasitikum ist es trotzdem schlecht geeignet, denn dieser Stoff ist empfindlich und verliert daher rasch seine Wirkung. Viele kommerzielle Floh- und Zeckenmittel enthalten eine abgewandelte Form dieses Naturinsektenmittels, die sehr viel länger haltbar und daher wirkungsvoller ist.

 

Quelle: Barbara Welsch, Tierärztin