Eric retten - Eine Mission von vielen
 

Alexandra Weger arbeitet für den "Tierschutz Alicante" und betreut auch die Website der Organisation. Hier schreibt Sie über einen Fall von vielen, bei dem schnelle Hilfe dringend nötig war.

 
Montag, 31.01.

Ich war ich auf der Suche nach einem ausgesetzten Hund und habe mit letzter Hoffnung in dem städtischen Tierauffanglager in Cartagena nach ihm gefragt.
Dort war er nicht (leider), aber ich sah einen Sandfarbenen Podenco, ca. 1-2 Jahre alt. Er lag auf dem kalten, nassen Betonboden, offensichtlich schwer verletzt von einem Unfall. Er stand unter Schock und zitterte am ganzen Körper. Ich wollte den Hund sofort mitnehmen, aber es hieß, er sei „erst“ seit 4 Tagen dort und vor Donnerstag dürften sie ihn nicht herausgeben. Es gäbe eine Mindestfrist von 1 Woche. Man sagte mir, es sei eine Hündin, also nannte ich sie Aurora und versprach ihr, sie dort herauszuholen.

Dienstag, 01.02.

Ich war mir sicher, dass der Hund keine 3 Tage in diesem Auffanglager durchstehen würde und habe versucht, mir im Rathaus ein Formular zu holen, in dem ich bestätige, den Hund sofort zurückzugeben, falls sich der Besitzer des Tieres meldet – damit kann man diese Frist umgehen. Wie es der Teufel will, an diesem Tag war ein totaler Computerausfall im Rathaus und sie konnten mir meinen Antrag nicht ausstellen. Ich rief in dem Tierheim an, um mich nach dem Hund zu erkundigen. Man sagte mir, dass es ihm sehr schlecht gehe; sie vermuteten, dass er einen gebrochenen Rücken habe, weil er gar nicht aufstehen könne. Einen gebrochenen Rücken kann man nicht operieren und ich fragte, warum sie den Hund nicht zumindest einschläferten, da er offensichtlich große Schmerzen habe. Sie meinten, sie könnten nicht sicher sagen, was gebrochen sei, da sie kein Röntgengerät hätten. Wieder weigerten sie sich, mir den Hund zu geben: ohne Papiere bekam ich ihn nicht. Außerdem müsste ich sowieso zum Rathaus, weil die Gebühr dort bezahlt werden müsse. Ich bot an, Decken und Körbchen für den Hund vorbeizubringen, weil es in der Nacht Frost gebe und es schlimm für den Hund sein müsse, bewegungsunfähig auf dem kalten Betonboden zu liegen. Die Antwort war, sie dürften dieses nicht annehmen, man könne dann auch nicht mehr die Käfige mit dem Schlauch ausspritzen. (Die Hunde werden davor nicht herausgenommen.)

Mittwoch, 02.02.

Ich war im Rathaus, um die Papiere zu holen, die Computer waren immer noch defekt – sie konnten mir meinen Antrag nicht ausstellen (auch nicht handschriftlich). Sofort rief ich wieder im Auffanglager an, um mich zu erkundigen, wie es Aurora geht. „Schlecht“, hieß es, „sie wird es wohl nicht packen“. Auf meine Frage, ob ich den Hund abholen könne, kam die erwartete Antwort „nein“. Er wäre gut versorgt und sie würden ihn auch nachts zudecken. Aber er habe große Schmerzen, sie vermuten nun, die Hüfte sei gebrochen.

Donnerstag, 03.02.

Mein Auto war kaputt, ich konnte nicht zum Rathaus fahren, um die Gebühren zu bezahlen, damit ich Aurora abholen kann. Ich bin fast durchgedreht.
Nach langen, nervigen Anrufen einer Freundin von mir, hat der Leiter sich bereit erklärt, uns den Hund ohne Papiere zu geben, weil sie ihn sowieso heute einschläfern würden. Plötzlich war es auch kein Problem mehr, die Gebühr vor Ort zu bezahlen. Die Freude ist uns schnell vergangen, als wir Aurora gesehen haben. Sie war völlig am Ende, hat gestunken wie die Pest, entzündete Liegeschwielen und sehr flache Atmung. Sie lag immer noch auf dem kalten Boden. Zudem hat man ihr die Schnauze mit einem Band abgeschnürt, weil sie angeblich beiße. Ich hatte das Gefühl, ich nehme einen sterbenden Hund mit. Die Tierärztin versicherte mir, sie hätten sie umsorgt und betreut usw. Nach einem genaueren Blick auf das Tier fragte ich, ob es denn wirklich eine Hündin sei. „Natürlich!“ meinte sie.
Wir brachten das Tier zum Tierarzt und warteten daheim auf glühenden Kohlen auf das Ergebnis. Es war fatal. Aurora war doch ein Rüde (so gut wurde das Tier versorgt, dass die Tierärzte nicht mal das Geschlecht wussten), sie befand sich in einem völlig desolaten Zustand und hatte 2 Bandscheiben gequetscht. Der Arzt meinte, er könne das nicht operieren, das müsse in einer Spezialklinik gemacht werden und es werde sehr teuer werden. Er war der Meinung, man sollte sie einschläfern, allein der hohen Kosten wegen. Nach kurzer Beratschlagung mit meiner Tierschutzkollegin entschlossen wir uns, Rat beim Spezialisten zu einzuholen.

Freitag, 04.02.

Aurora wurde in Eric umgetauft und in die Spezialklinik gebracht. Erste Ergebnisse trieben uns Tränen in die Augen. Eric war völlig dehydriert und ausgehungert. Er konnte in dem Auffanglager nicht aufstehen, um zu trinken oder zu essen. Er hat wahrscheinlich das Wasser, mit dem die Käfige ausgespritzt werden, vom Boden aufgeleckt, sonst wäre er jetzt nicht mehr am Leben. Die Wunden und Schwielen, die er durch das lange Liegen auf dem harten Boden bekommen hat, haben sich stark entzündet, weil er offensichtlich in seinen eigenen Exkrementen bzw. Urin lag. Außerdem hat er lauter aufgeriebene Stellen, weil er wohl versucht hat zum Futter bzw. Wasser zu robben, diese waren natürlich auch sehr entzündet. Es roch bereits nach verwestem Fleisch. Zugedeckt wurde er ganz bestimmt nicht. Zudem haben sie ihm noch mit einem Band die Schnauze zugeschnürt, weil er angeblich bissig sei.
Wäre er sofort operiert worden, wäre vieles einfacher und auch billiger gewesen; aber nein, der Hund musste ja eine Woche leiden, bevor man ihn mir gegeben hat. Der Kostenvoranschlag für die Operation mit allem drum und dran beläuft sich auf 1500 Euro; wir waren schockiert. Wieder ist die Frage, ob wir das Tier einschläfern lassen wollen. In diesem Moment versuchte Eric aufzustehen, gestärkt von Futter und Wasser. Er legte seinen Kopf in Ritas Hand (angeblich wäre er ja so bissig) und schaut sie an, als würde er sagen: “Danke, dass ihr das für mich gemacht habt.“ Gut gemacht, Eric, denn in dem Moment war uns das Geld egal.
 
Einige Zeit später

Er ist nun operiert, danach müssen wir mit ihm noch etwas Krankengymnastik machen, aber er wird wieder normal laufen können. Er hat nun eine Schraube drin und ein Knochensplitter wurde entfernt, der einen Nerv durchbohrt hatte. Die Schmerzen, die dieses Tier erdulden musste, sind kaum vorstellbar.

Das Auffanglager wird noch von uns hören und sie werden nicht erfreut darüber sein.

Weiterführender Webtipp:
www.Tierschutz-Alicante.net

 

 

copyright Text by spanischehunde.de, Bilder by Alexandra Weger