Hundeleben auf dem Land
 

 

Vor der momentanen Krise wurde es in einigen Teilen Spaniens Mode, “aufs Land” zu ziehen. Wohnraum in einem Dorf war billiger als in der Stadt, anstatt einer Wohnung kaufte man ein Haus mit Garten. Einfamilienhäuser in Stadtnähe sprossen wie Pilze aus dem Boden und gingen weg „wie warme Semmeln“.

Ein Phänomen war dabei zu beobachten: In jedem Vorgarten der hübschen Häuschen stand eine neue Hundehütte. Es stellte sich die Frage, ob die Bauunternehmer die gleich mit ans Haus gebaut haben? Und in dem Moment als die neuen Eigentümer einzogen, wurde auch die Hundehütte besetzt. So kamen auf gut 250 Bewohner etwa 100 Hunde. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn Hunde werden in Spanien (Kastilien-León) nicht angemeldet.

Vor rund 10 Jahren sah man viele Halter, die mit ihren neuen, jungen Hunden durch die Felder in der Nähe streifen. Heute kann man stundenlang um das Dorf schleichen, ohne einen anderen Hund und noch weniger einen dazugehörigen Halter zu treffen. Hunde leben in eingezäunten Vorgärten oder Zwingern und der Gassigang findet, wenn überhaupt, für die Dauer einer Zigarettenlänge statt. Manchmal laufen die „Dorfhunde“ alleine über die Strasse, gutmütig und scheu sind sie und kehren letztlich zurück zu ihrer schmucken Hundehütte. Das sind die Glücklichen.

Die Unglücklichen sind die, die im Garten an einer Kette ihr Dasein fristen. Ohne Kontakte zu irgendwem, außer wenn sie ihr Futter bekommen. Sie leben in ihrem Kot, jaulen und jammern wenn sie Hunger oder Durst haben und die Nachbarn beschweren sich über den Lärm. Sie leben in schlimmeren Verhältnissen als in jedem Tierheim in Deutschland.

Die Vierbeiner wurden aus verschiedenen Gründen angeschafft: Die Kinder sollen mit einem Hund aufwachsen, Hund und „Landleben“ gehören zusammen, man will was für die Fitness tun und braucht einen Begleiter. Dazu kommen die „praktischen“ Gründe: ein oder mehrere Hunde für die Jagd oder ein Wachhund wird benötigt.

Abgeben werden sie dann, weil der Hund erwachsen wird, nicht gehorcht, Arbeit macht, Geld kostet oder einfach, weil die Jagdsaison zu Ende ist und der Hund nichts mehr nützt.

Das Bewusstsein für die Bedürfnisse eines Hundes ist weitgehend nicht vorhanden. Hunden werden oft weder eine Persönlichkeit noch Gefühle zugestanden.

In anderen Teilen Spaniens findet bereits ein Umdenken statt. Einige Tierheime bieten an, in Schulen über die Verantwortung gegenüber Haustieren zu referieren, damit die Kinder in der Zukunft den Hunden in ihrem Land ein artgerechteres Leben bieten können. Dies gilt es zu unterstützen.
 

 

 

copyright Text: spanischehunde.de Anja Balland, Modúbar de la Empardada (Burgos)

copyright Bilder: spanischehunde.de Anja Balland, Modúbar de la Empardada (Burgos)

Veröffentlichung auf spanischehunde.de: 04.03.2013