Absurdes Hundespiel auf Mallorca
 

 

Was ein schöner Urlaub auf einer beliebten Ferieninsel sein sollte endet in einem traurigen Debakel. Einem Armutszeugnis für ein Land, dessen Menschen und der Polizei. Lesen Sie hier was Lea Braskamp erlebt und niedergeschrieben hat.

 

Mallorca adios! Meinen letzten Urlaub habe ich auf Mallorca verbracht. Meine Eltern haben mich dazu gebracht die als Sauf und Party Meile verschriene spanische Insel zu testen. Alleine wäre ich niemals auf die Idee gekommen einen Flug nach Palma zu buchen. Wie Ölsardinen an einen Strand gepresste bierbäuchige Deutsche und Ganzkörper tätowierte Engländer, die bereits zum Frühstück die Sangria Eimer leeren, waren meine ersten Assoziationen mit der Insel. Doch dass dies nicht immer zutrifft, zeigte mir die letzte Woche.

 

Meine Eltern brachten mich in abgelegene, traumhafte Buchten, wanderten mit mir in die Berge und führten mich in vorzügliche Restaurants regionaler Küche. Mein Bild von der Balearen Insel verbesserte sich Tag für Tag. Und als ich kurz davor war Mallorca als neues Feriendomizil zu deklarieren, musste ich am Strand von Son Baulo etwas Grausames miterleben.

 

Es ist Mittwoch der 12.Mai. Zwei Männer, ein kleines Mädchen und ein kleiner Welpe. Alle spielen gemeinsam am Strand. Ich genieße mit meiner Familie die warme Sonne und das türkis schimmernde Wasser. Im Augenwinkel sehe ich, wie einer der Männer den Welpen ins Wasser wirft. Das erregt meine Aufmerksamkeit. Was zuerst wie Spaß aussieht, entpuppt sich schnell als bloße Quälerei. Kaum ist der Yorkshire Terrier wieder an Land, packt ihn der Mann an einem Bein und wirft ihn, wie ein Stück Holz, ins Wasser. Diesmal höher und weiter als zuvor. Der Hund kommt unsanft im Wasser auf. Er strampelt sich mühevoll im tiefen Wasser ab und schafft es nicht aus eigener Kraft sich zu retten. Die belustigten Besitzer an Land lachen und amüsieren sich darüber, während der Hund mit dem Leben ringt.

 

Eine weitere, entsetzte Urlauberin, die sich in unmittelbarer Nähe aufhielt, reagiert sofort und rennt in das Hüfttiefe Wasser und rettet den Welpen. Der kleine zittert am ganzen Leib, steht unter Schock. Wir eilen dazu. Die couragierte Frau nimmt den Hund und gemeinsam gehen wir zu ihrem nahe gelegenem Hotel um den Vorfall zu melden. Der Besitzer scheint verwundert über unsere Reaktion, schickt feige zuerst das Mädchen zu uns den Hund wiederzuholen.

 

Doch wir sind schockiert über diesen Umgang mit Tieren und geben den Welpen nicht her. Der Mann folgt uns und kann nur durch die neugierigen Blicke aller Strandbesucher abgehalten werden, sich den Hund auf anderem Wege von uns wiederzuholen. Das er sich hier von Frauen Parole bieten lassen muss, scheint ihm nicht zu passen. Im Hotel Ferrer Concord lassen wir die Polizei rufen. Da wir der spanischen Sprache nicht mächtig sind, können wir leider nicht verstehen was der skrupellose Mann dem Hotelpersonal währenddessen erzählt. Zumindest muss es unglaublich witzig sein, denn die Angestellte lacht laut. Wir hingegen finden die Situation überhaupt nicht zum lachen. Sind entsetzt über diese Mentalität im Umgang mit Tieren. Die traurigen Augen des Mädchens erwecken Mitleid, doch schon das fiese Grinsen des Mannes lässt mich erschaudern und wissen, was ich hier tue ist richtig. Wie soll ein Kind sonst lernen, wie man ein Tier behandelt? Das der kleine drollige Hund kein Spielzeug ist sondern ein Lebewesen, das fühlt, denkt und Bedürfnisse hat.

 

Nach langer Wartezeit trifft die Guardia Civil ein. Bereits beim Betreten der beiden Polizisten des Hotelfoyers wird meine Hoffnung auf ein gerechtes Ende gedämpft. Die beiden scheinen desinteressiert und lustlos. Sie hören sich den Vorfall an. Da wir ihnen wegen der Sprachbarriere den Fall nicht direkt erklären können, hilft uns die Hotelangestellte. Wieder erzählt sie das ganze mit einem Dauergrinsen auf dem Gesicht. Sie scheint den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben. Als der Sachverhalt klar ist, wird mir der Hund forsch aus dem Arm genommen. Es entsteht ein lauter Tumult zwischen meiner Familie, der Guardia Civil und den Übersetzern. Wir wollen verhindern, dass der Welpe zurück zu dem Mann kommt, der ihn berechnend ins Wasser geschmissen hat und ihn hätte ertrinken lassen.

 

Man sagt uns, in Spanien sei alles anders aber man werde die Papiere des Besitzers überprüfen. Damit wollen wir uns nicht zufrieden geben. In Spanien existiert ein Tierschutzgesetz, welches Tierquälerei klar verbietet. Dies scheint in der Realität jedoch noch nicht angekommen zu sein. Wir werden laut und erregen Aufsehen. Andere Hotelgäste bleiben stehen, werden hellhörig. Eine Dame unterstützt uns, bietet Hilfe an. Das Hotelpersonal scheint sich nicht für das Wohl des Lebewesens zu interessieren. Möglichst schnell soll die Sache beendet und unter den Tisch gekehrt werden. Forsch weist man uns zurecht, sagt uns der Hund bleibt wo er ist. Wir geben nicht auf, wollen gegen den Mann Anzeige erheben. Man versucht uns das mit dem Argument, man müsse für eine Aussage wieder nach Mallorca reisen, auszureden. Wir nehmen das in Kauf, finden aber später heraus, dass dies nicht einmal der Wahrheit entspricht. Unsere Bitte einen Tierarzt hinzuzuholen wird übergangen. Nach langem hin und her, müssen wir uns jedoch der Staatsgewalt beugen und räumen entmutigt und ohne den Hund das Feld.

 

Die Polizisten warten gemeinsam mit den Besitzern und dem Yorkshire Terrier vor dem Hotel bis wir abgefahren sind. Wir haben den Eindruck, dass keine Minute später der Hund zurückgegeben wird, das alle noch einmal gemeinsam über die durchgedrehten Deutschen lachen und die Sache ist vergessen. Für mich hingegen fängt es damit erst an. Die Bilder in meinem Kopf kann ich nicht vergessen. Mein Sinn für Gerechtigkeit sagt mir, ein Mensch der so etwas tut muss bestraft werden. Und vor allem hat so jemand kein Recht darauf ein Tier zu halten. Der kleine Welpe muss weg von diesem Mann. Dafür setze ich, auch von Deutschland aus, alle Hebel in Kraft.

 

Meine Recherchen im Internet zeigen mir noch einmal sehr deutlich wie verheerend die Situation von Tieren, nicht nur in Spanien sondern auch in vielen anderen Ländern ist. Viele Hunde, Katzen und andere Tiere enden im Tierheim oder werden qualvoll umgebracht. Veraltete Sichtweisen in Bezug auf Tiere und inkonsequente Behörden führen zu Missachtung jeglicher Tierschutzgesetze. Es mangelt an Aufklärung und Zivilcourage.Doch wer möchte schon gerne Urlaub in einem Land machen, wo man Hunde an Bäumen erhängt, in Glasboxen hält oder auf andere schlimme Art und Weise quält?! Und möchte man in einer Gesellschaft Urlaub machen, in der man das Gefühl hat nicht ernst genommen zu werden?! Für mich und meine Familie sieht so nicht das Paradies aus. Darum muss ich leider sagen:

„Adios Mallorca!“
 

 

 

copyright Text: Lea Braskamp
copyright Bilder: keine

Veröffentlichung auf spanischehunde.de: 17.05.2010

 
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